Die erste Euphorie

Der 1. August 2004. Mein erster Arbeitstag. Jetzt geht es los, der Ernst des Lebens.

Ich stehe bereits seit 10 Minuten vor den verschlossenen Toren meiner neuen Ausbildungsstätte. Es ist ja auch erst 8.20 Uhr. Immernoch 40 Minuten zu früh. Ich beobachte einen Jungen, wahrscheinlich nicht viel Älter als ich, der über ein Tor steigt, das in den Garten des Restaurants führt. Ich drehte „Lets get it started“ von den Black Eyed Peas auf meinen mp3 Player etwas leiser und verfolge ihn aus einiger Entfernung mit neugierigen Blicken. Er klettert durch ein kleines Fenster und ist weg. Ich drehe die Musik wieder etwas lauter zu „My Generation“ von Limp Bizkit und tippe den Takt auf meinen Beinen mit.

Es dauerte nicht lange bis jemand kommt und das Tor öffnet und durch den Garten geht und die kleine Hintertür zur Küche aufsperrt. Meine Nervosität stieg, mein Herz schlug genauso schnell wie Samy Deluxe rappen kann, als ich meine Messertasche unter den Arm klemmte und bereit war zu lernen wie man ein Koch wird. Die Götter in weiß. Die härtesten Kerle. Die Lieblinge aller Frauen. Ich wollte so sein wie Sie.

Keine vier Stunden später finden sich alle neuen Azubis im Keller wieder. Wir dürfen Wachteln rupfen und die Federkiele entfernen. Eine wirklich sehr undankbare Aufgabe, musste sich wohl auch einer meiner neuen Kollegen gedacht haben, denn den hab ich nach diesem Tag nie wieder gesehen. Der Mittagservice war schon im vollen Gange als irgendjemand von oben schrie: „Hey, bring mal Schnittlauch“. Das war meine Chance. Ok… wo ist Schnittlauch und was mache ich als erstes? „Habt ihr Kalbsköpfe gehört? Ja, Nein, Vielleicht?“ Der Junge von heute morgen poltert die Wendeltreppe hinunter „Wollt ihr mich verarschen? Ihr eiert hier rum und ich bin in der Scheise! Du – mitkommen“ und zeigte auf mich.

Als ich oben stand eröffnete sich mir ein Szenario das eher an ein gut einstudiertes Stück eines Orchesters erinnert:

“ 2 Leber können an der 1 “ und die gesamte Brigade bestätigte dem Chef den Befehl mit einem lauten „Jawohl“. „Weiter können auch 3 mal das Bries und 2 Suppen an der 8“ und wieder das „Jawohl“. Jeder der Köche wusste genau was er zu tun hatte, außer mir. „Zwei Amuse an der 5? – Was ist damit?“ So wie es aussieht hatte sich da niemand drum gekümmert. Bis jetzt. „Mach mir die Amuse fertig“ Ich wusste nicht wie und hatte auch sonst keine Ahnung und dafür habe ich auch direkt die Quittung bekommen. Nach einer gewaltigen „Ansprache“, die das gesamte Küchenteam inklusive Restaurant gehört hatte, wollte ich mich nie wieder so nutzlos fühlen.

Nachdem der Mittag vorbei und die letzte Wachtel fertig geputzt war habe ich mich schnell darum gekümmert so viele Informationen zu bekommen wie nur ging. Hauptsache ich überlebe den Abend.

Am Ende des Tages habe ich mir meine Kopfhörer in die Ohren gesteckt und auf die Play-Taste meines mp3 Players gedrückt. Irgendwie passend. Es lief „Break ya neck“ von Busta Rymes.

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