Gruppe für das Thema Familie und Freunde bei Kochen ist Emotion von Rudi Mehlgarten

Familie und Freunde

Wenn man eine Ausbildung in der Gastronomie anfängt, hat man eigentlich keine Ahnung worauf man sich einlässt. In der Regel sind es viele Stunden Arbeit für wenig Geld und an Tagen an denen andere frei haben. Ich spreche da nicht nur von Samstag und Sonntag, sondern auch von Feiertagen, wie zum Beispiel Weihnachten. Gerade an solchen Tagen ist es schwer im Abendservice alles zu geben, wenn man weiß das die ganze Familie Zuhause sitzt und sie sich ohne dich streitet. Dafür steht man dann mit seinen Jungs und Mädels in der Küche und ackert sich einen ab. Man rennt, ist im Stress, schneidet sich, blutet und wird angepöbelt weil man zu langsam arbeitet. All das, damit die Gäste einen unvergesslichen Abend verbringen können.

An den Tagen, an denen man frei hat, möchte man sich mit seinen Freunden treffen und Zeit mit der Familie verbringen. Das ist allerdings schwierig da wenig Freunde und Familie Zeit haben oder nicht in derselben Stadt wohnen. Es gibt auch nur wenige, die verstehen, warum man eine Ausbildung zum Koch anfängt und seine Zeit lieber in der Küche verbringt als mit den Kumpels am Tresen. Vom Thema „Hobby“ möchte ich erst gar nicht anfangen – man hat keine Zeit mehr für das Training im Sportverein oder für wichtige Punktspiele an den Wochenenden. So kommt es, dass der Freundeskreis den man sich vor seiner Ausbildung aufgebaut hat, kontinuierlich ausgedünnt wird.

Ehe man sich versieht, hat man nur noch eine Handvoll Freunde, die man nur noch einmal im Jahr sieht und es trotzdem so ist, als hätte man sich erst gestern gesehen.

Der Fokus liegt auf der Arbeit und man konzentriert sich im Idealfall auf die Aufgaben in der Küche. Tag für Tag steht man gemeinsam mit den Kollegen in der Küche und muss zwangsläufig lernen mit Allen klar zu kommen. Da, die Küchen in Hotels und Restaurants meistens nicht besonders groß sind, muss man lernen auf engsten Raum mit vielen Anderen zusammen zu arbeiten und das für bis zu 12-14 Stunden am Tag. Man rempelt sich an, stichelt einander und ist zudem grundsätzlich unter Zeitdruck. Diese besondere Art der Arbeit sorgt für eine ganz besondere Art des Sprechens & Kultur unter uns Köchen. Man gewöhnt sich sehr schnell an die Sprache und auch die Floskeln, die man in der Küche aufschnappt, gehören bald zum Repertoire. Das mag ja in der Küche cool sein aber meist sorgt es außerhalb nur für Kopfschütteln.

Denn, durch die gemeinsamen Stunden, den fortwährenden Stress und den immer wiederkehrenden selben Problemen, kommt es schon mal vor, dass aus Individuen aus aller Herren Länder eine Einheit wird. Es mag jetzt vielleicht etwas abgedroschen klingen aber die Gastronomie ist eben immer eine Team-Leistung. Irgendeiner wird immer dabei sein mit dem man sich auf Anhieb versteht und mit dem man auf der Arbeit Blödsinn macht. So etwas ist für die gesamte Team-Dynamik äußerst wichtig, denn das steigert nicht nur die Moral sondern schweißt uns als Gemeinschaft fester zusammen.

Im Laufe der Zeit ist es unumgänglich das die alten Hasen gehen und neue Kollegen ins Team kommen. So lernt man in der Gastronomie in kurzer Zeit viele Leute kennen. Irgendwann ist es dann für einen selbst an der Zeit zu gehen, sich weiter zu entwickeln und neue Menschen kennenzulernen. Man steht zusammen in der Küche, es wird gestichelt, sich geschnitten und zu allem Überdruss hat der Chef auch noch eine Extra Aufgabe für alle. Jeder versucht über die Runden zu kommen und man hilft sich gegenseitig. So passiert es durchaus, dass man mit einigen Leuten in Kontakt bleibt und über die gute alte Zeit quatscht, mit anderen eben nicht.

So werden aus Kollegen ganz schnell Freunde und irgendwann werden sie ein Teil der Familie.

Ehe man sich versieht, hat man eine Handvoll Freunde, die man nur noch einmal im Jahr sieht und es trotzdem so ist, als hätte man sich erst gestern gesehen.

Ganz gleich ob nun aus der Gastronomie oder vom Bolzplatz.

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